Biographie

Hans Jörg Glattfelder wurde 1939 in Zürich geboren.

Er folgte an der dortigen Universität verschiedenen Vorlesungen (Jura, Kunstgeschichte, Archäologie). Ab 1961 arbeitete er in einem Projekt für Entwicklungshilfe in Sizilien. Studienaufenthalt in Rom. 1963 Niederlassung in Florenz. Die Anfänge seiner künstlerischen Entwicklung waren geprägt vom strengen Geometrismus der „Züricher Konkreten“, den Glattfelder aber unter dem Eindruck der florentinischen Frührenaissance sehr individuell deklinierte.

1966 erste Einzelausstellung in Mailand in der Galerie von Fiamma Vigo. Mit Claudio Popovich publizierte er in Florenz die Zeitschrift „comunicazione“. Er theoretisiert die anonyme, industrielle Produktion von Kunstwerken und entwickelt ein seriell herstellbares Pyramidenelement; mit variabel konzipierten Pyramidenreliefs beteiligt er sich in jenen Jahren erfolgreich an zahlreichen Gruppenausstellungen der konstruktiven Tendenz in Europa.

1970 übersiedelte er nach Mailand. Zum engeren Freundeskreis gehörten dort Mario Ballocco, Antonio Calderara, Gianni Colombo und Luigi Veronesi. Auf Anregung von Silvio Ceccato Auseinandersetzung mit komplexen räumlichen Vorstellungen, Daraus entstand ab 1977 die Werkreihe der „nicht-euklidischen Metaphern“.

1977 lernt er bei R. P. Lohse den Philosophen H.H. Holz kennen, welcher ihn auf die gesellschaftliche Relevanz der konstruktiven Kunst hinweist. Es entspann sich ein über Jahrzehnte dauernder Dialog; H.H. Holz hat den Arbeiten Glattfelders mehrere ausführliche Texte gewidmet. Seit jenen Jahren reflektiert Glattfelder über die Beziehung zwischen naturwissenschaftlicher Kultur und plastischer Sprache.

Gegen den Kult des Irrationalismus definierte er in einem 1982 veröffentlichten Text seine Position als „Meta-Rationalismus“. Er versteht darunter eine bildnerische Sprache, in welcher Rationalität gleichzeitig in Frage gestellt und thematisiert wird. In der Offenlegung und Diskussion der Methoden sieht Glattfelder die Voraussetzung für einen authentischen Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst.

1987 wird Glattfelder in Zürich auf Anregung von Eugen Gomringer und Willy Rotzler der Camille-Graeser-Preis verliehen. Ein Jahr später verlegt er seinen Wohnsitz von Mailand nach Ameno am Ortasee, dessen eigentümliche Lichtverhältnisse in den Mailänder Jahren Gegenstand langer Diskussionen mit Antonio Calderara waren. Die Bildsprache Glattfelders vereinfacht sich: „synthetische Reliefs“.

1990 Atelier in New York als Stipendiat der Stadt Zürich. Als hauptsächliche Erinnerung an diesen Aufenthalt bleiben die häufigen Besuche bei Leon Polk Smith, mit dem Glattfelder bis zu dessen Tod in Verbindung blieb.

1992 Retrospektive im Josef Albers Museum in Bottrop.

1998 erfolgte die Übersiedelung nach Paris, wo Glattfelder auch heute noch lebt.


Atelier Firenze

im Gespräch mit Hans Heinz Holz

Atelier Rue Beaubourg